Golfstaaten – Die Scheichs brauchen Geld

Das Königreich Bahrain belastet die aktuelle Öl-Flaute besonders stark. Das Königreich Bahrain belastet die aktuelle Öl-Flaute besonders stark.
(07.02.2019)

In der Liste der von den Emerging Markets emittierten Anleihen hat sich mittlerweile ein Segment etabliert, das vor wenigen Jahren noch undenkbar gewesen wäre: Die ölreichen Golfstaaten, traditionelle Netto-Investoren, sind zu wichtigen Netto-Emittenten geworden. Kurz: Die Scheichs brauchen Geld. Zuletzt waren die Saudis vor wenigen Wochen auf dem Markt. Sie sammelten mit zwei Tranchen (10 Jahre, 3 Monate und 31 Jahre Laufzeit) zusammen 8 Mrd. US-Dollar ein. Hinter dem überraschenden Geldbedarf stehen mehrere Ursachen.

An der Oberfläche erkennbar ist das fiskalische Problem: Der Ölpreis ist nicht zuletzt wegen gewachsener Konkurrenz (zuletzt kam das US-Schieferöl dazu) gefallen und gibt nicht mehr genug her, um das hohe Niveau der staatlichen Leistungen und Transfers abzudecken. Harte Schnitte in die Ausgaben sind in den politisch nicht besonders stabilen Monarchien aber eine riskante Angelegenheit, die Loyalität des Volkes braucht einen handfesten Boden. Hinzu kommt die langfristige Perspektive, die allenthalben auf eine Zukunft mit weniger oder völlig ohne Ölgeschäft ausgerichtet werden muss. Wie immer die Entscheidungen zwischen dem Ausbau der Petrochemie (Wertschöpfung ins eigene Land holen) oder Tourismus (Exotik plus Sonnengarantie verkaufen) im Einzelnen auch fallen mögen, es müssen erhebliche Investitionen angestoßen und finanziert werden.

Diese Entwicklungsschübe gehen selten ohne Krisen ab, wie der Fall Dubai vor einigen Jahren zeigte. Diese Erfahrung wurde jüngst durch Bahrain modellhaft bestätigt. Das Ölgeschäft stagniert seit einigen Jahren, nennenswertes Wachstum ist nur im ölunabhängigen Teil des BIP erkennbar. Folge: Das Staatsdefizit stieg 2015/16 auf 13% vom BIP an und wird derzeit mit Mühe auf etwa 5% zurückgefahren. Bahrain musste durch ein Paket der Golf-Staaten gerettet werden. Die Dollar-Anleihen des Königreichs sind mit BB als spekulativ geratet und weisen Prämien auf B-Niveau auf.

Bahrain gilt mittlerweile als auf niedrigem Niveau stabilisiert, die Sorgen konzentrieren sich derzeit auf Oman: Dort lagen die Staatsdefizite 2015-17 zwischen 15 und 21% vom BIP und sollen im laufenden Jahr auf etwa 5% gebracht werden. Die Staatsschuld stieg von 4,9% per Ende 2014 auf 46% (jeweils vom BIP) per Ende 2017 und die Vorschau des IWF sieht (optimistisch) ab dem laufenden Jahr eine Stabilisierung bei 49,5% vor. Oman und Bahrain weisen trotz ihres Ölgeschäfts schon seit einigen Jahren langsam wachsende Defizite in der Leistungsbilanz aus, sind also auf Leistungen des Auslands angewiesen. In diesem Zusammenhang stechen nur die Vereinigten Arabischen Emirate hervor, die weiter Überschüsse erzielen, nicht zuletzt als Finanz- und Handelszentrum der ganzen Region. Hier zahlen sich die frühzeitig in Dubai angestoßenen und von Abu Dhabi unterstützen Versuche einer Modernisierung bereits aus.

Eine konkrete Handelsempfehlung finden Sie in der aktuellen Ausgabe von PLATOW Emerging Markets.