Glyphosat-Klagen – Ungeschoren wird Bayer nicht davonkommen

Monsanto ist für Bayer Segen und Fluch zugleich. Image-Pflege wird beim Schwall an Glyphosat-Klagen kaum ausreichen. Monsanto ist für Bayer Segen und Fluch zugleich. Image-Pflege wird beim Schwall an Glyphosat-Klagen kaum ausreichen.
© Bayer AG
(14.11.2018)

Die erstmalige Vollkonsolidierung des US-Saatgutriesen Monsanto sowie ein weiterhin exzellent laufendes Pharma-Geschäft haben Bayer im dritten Quartal das operative Ergebnis gerettet. 255 Mio. Euro steuerte alleine Monsanto zum Konzern-EBITDA vor Sondereinflüssen bei. Entgegen manchen Analysten-Erwartungen gelang es den Leverkusenern damit, das um Sondereffekte bereinigte Konzern-EBITDA mit 2,2 Mrd. Euro konstant (-0,1%) zu halten. Während die Pharma-Sparte ihr Ergebnis im dritten Quartal um 4,1% steigern konnte, kämpften das Geschäft mit rezeptfreien Arzneien und Animal Health mit sinkenden Gewinnen (s. PLATOW Börse).

Bayer-Chef Werner Baumann bekräftigte gleichwohl den nach der Monsanto-Übernahme angepassten Ausblick für das Gesamtjahr 2018. Demnach sollen der Konzernumsatz auf mehr als 39 Mrd. Euro steigen und das bereinigte EBITDA im unteren bis mittleren Prozentbereich zulegen. Allerdings ließ Baumann anklingen, dass die Gewinnziele für Consumer Health und Animal Health mittlerweile zunehmend ambitioniert seien. Es ist somit nicht ganz ausgeschlossen, dass Bayer beim Kapitalmarkttag am 5.12. durchaus noch mit einer Gewinnwarnung um die Ecke kommen könnte.

Für die Bayer-Bilanz mag Monsanto zunächst ein Segen sein, wäre da nicht die toxische Mitgift Glyphosat. Nach dem erstinstanzlichen Urteil eines US-Geschworenengerichts, das Monsanto im Falle eines an Krebs erkrankten Schulhausmeisters zu 78 Mio. US-Dollar Schadenersatz verdonnert hat, wuchs die Zahl ähnlicher Glyphosat-Klagen seit August um weitere 600 auf mittlerweile 9 300. Baumann kündigte Berufung gegen das Urteil an und will mit einem ganzen Packen an Gutachten den Vorwurf widerlegen, Glyphosat sei krebserregend.

Einen jahrelangen Rechtsstreit durch alle Instanzen mit permanentem Störfeuer der Klägerseite dürfte Bayer allerdings kaum durchhalten können. Einzelvergleiche schloss Baumann zwar aus, er deutete aber an, dass Bayer „geringfügige Beträge“ für einen Gesamtkomplex zahlen könnte, um etwa Anwalts- und Gerichtskosten zu sparen. Ganz so billig dürften die Leverkusener bei einem Vergleich allerdings nicht davonkommen. Auch wird Bayer mit einem Vergleich noch warten, bis andere Gerichte Urteile im Sinne der Leverkusener gefällt haben, um die eigene Verhandlungsposition zu stärken.