Media-Saturn – Russland-Rückzug wird konkreter

Media-Saturn – Russland-Rückzug wird konkreter
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(19.06.2018)

Schon im April musste die Ceconomy-Tochter Media-Saturn eingestehen, dass der kalte Gegenwind aus Russland nicht ohne größere Blessuren wegzustecken sein würde (s. PLATOW v. 16.4.). Für Ceconomy-Chef Pieter Haas war der Moment gekommen, die Reißleine zu ziehen. Nun zeigen die Exit-Pläne für das russische Retailgeschäft, welche konkreten Folgen für die Bilanz anstehen. Sollte die Rückzug-Strategie gelingen, wird das Nettoergebnis der Ceconomy-Bilanz im laufenden Gj. mit einem niedrigen dreistelligen Millionenbetrag belastet werden. Die operativen Verluste des Russland-Geschäfts wären dann aber voll eliminiert, heißt es aus Düsseldorf.

Beim Versuch, das defizitäre Geschäft zu verkaufen, steckt Media-Saturn in fortgeschrittenen Verhandlungen mit Safmar, der Mutter der russischen Elektrofachmarktkette M.video. Gleichzeitig strebt Media-Saturn offenbar eine 15%-Beteiligung an M.video an, für die Europas Elektro-Primus rd. 258 Mio. Euro hinblättern will. So könnte Media-Saturn im richtigen Moment die Seite wechseln und vom russischen Elektromarkt profitieren, anstatt an dessen bald verschärfter Wettbewerbsfront zu unterliegen. Denn M.video steckt mitten im Merger mit der ebenfalls zu Safmar gehörenden Elektro-Kette Eldorado. Beide Fachmärkte betreiben rd. 400 Filialen und festigen durch die Fusion ihre Marktmacht, an der sich Media-Saturn mit seinen müden 57 Märkten sonst die Zähne ausbeißen würde.

Die Delle in der Bilanz aus der Schließung des mühseligen Russland-Kapitels ist ohnehin das kleinere Übel für Ceconomy. Schließlich rumort es auch am wichtigen Heimatmarkt, wo sich der Preisdruck und die Online-Konkurrenz von Amazon und Co.bemerkbar machen. So wurde binnen weniger Wochen das deutsche Führungsteam von sechs auf vier gestutzt. Nach dem Abgang von Carsten Strese (COO Saturn) und Klaus-Guido Jungwirth (Service & Solutions) muss nun auch der langjährige CFO von Media-Saturn Deutschland, Thomas Wünnenberg, abdanken. An seine Stelle rückt Florian Wieser.