Trauerspiel um schnelles Internet

Volle Kasse, aber nichts passiert. Wieso Deutschland den Anschluss beim Glasfaser-Ausbau verliert. Volle Kasse, aber nichts passiert. Wieso Deutschland den Anschluss beim Glasfaser-Ausbau verliert.
© Deutsche Telekom AG
(13.06.2018)

Die Debatte um den Ausbau schnellen Internets ist hierzulande so lang wie leidig. Für zusätzliche Ernüchterung sorgte am Dienstag die Antwort des Bundesverkehrsministeriums auf eine kleine Anfrage der Grünen, wonach bislang nur ein Bruchteil der seit 2015 genehmigten Bundesfördermittel abgeflossen ist. In Summe wurden demnach bis Ende Mai nur 26,6 Mio. der bereitgestellten 3,5 Mrd. Euro abgebucht, erklärte Verkehrsstaatssekretär Steffen Bilger auf die Oppositions-Frage. 

Noch trauriger als diese Bilanz: Lediglich 3,1 Mio. Euro kamen davon konkret dem Breitbandausbau zu Gute. Der Rest versickerte in Beratungsleistungen früher Projektphasen. Das Versprechen der alten Bundesregierung, bis spätestens Ende 2018 allen Deutschen Zugang zu Highspeed-Internet zu verschaffen, wird damit krachend verfehlt. Und auch für die kommenden Jahre malt das Ministerium von CSU-Mann Andreas Scheuer kein rosigeres Bild, denn die meisten Mittel sollen erst Ende 2021 ihren Weg in die genehmigten Projekte finden. Ein Armutszeugnis.

Neben den in der digitalen Provinz gefangenen ländlichen Gebieten wird die maue Ausbeute in Sachen Glasfaser-Ausbau damit zum echten Problem der deutschen Wirtschaft. Nicht ohne Grund pochen wichtige Branchenverbände wie der BDI oder VDMA seit Jahren auf die Bedeutung schneller Anschlüsse für die Wettbewerbsfähigkeit des deutschen Mittelstands. Industrie 4.0, smart Cities, autonomes Fahren – Deutschland ist groß darin, die Zukunftstrends in bunten Farben zu malen und hiesige Ingenieurskunst als Wegbereiter dafür zu vermarkten. Doch ohne Übertragungsraten von 100 Megabit und mehr, droht der Exportweltmeister buchstäblich den Anschluss zu verlieren.

Die Anfrage der Grünen zeigt: Am Geld alleine scheitert das Vorhaben nicht, sieht der neue Koalitionsvertrag doch überdies weitere Finanzspritzen von bis zu 12 Mrd. Euro vor, um Kupfer- durch Glasfaserleitungen zu ersetzen. Was fehlt sind Firmen, die den Ausbau vor Ort schnell realisieren, wie Alexander Dobrindts Nachfolger jüngst kleinlaut einräumen musste. Was die Branche über Deutschlands magere Fortschritte denkt, wird sich derweil am Donnerstag auf dem Breitbandtag der Kölner Kongressmesse ANGA COM (12. bis 14.6.) zeigen. Schon das Motto „Gigabit jetzt!“ regt zur Diskussion an.