Automobilbranche – Dicke Luft zwischen den Spitzenverbänden

Internationale Autobauer wie Fiat wollen nicht für deutsche Abgassünden blechen. Internationale Autobauer wie Fiat wollen nicht für deutsche Abgassünden blechen.
© FCA Germany AG
(06.12.2017)

Während die deutsche Automobilbranche bemüht ist, ihre durch Abgasskandale und Kartellvorwürfe besudelte weiße Weste wieder sauber zu klopfen, läuft es für internationale Autohersteller am deutschen Markt rund, so das freudige Fazit des Automobilverbands VDIK auf seiner Jahres-PK. Gut 3,4 Mio. Pkw (+2,3%) werden in diesem Jahr von den Fließbändern der Importeure auf deutsche Straßen rollen – so viel wie seit acht Jahren nicht mehr. 

Schwer im Trend liegen dicke SUV (Absatz: +22%), erklärte VDIK-Präsident Reinhard Zirpel. Neben der Liebe zur Benzinschleuder macht sich jedoch auch das steigende Bewusstsein für die Antriebswende bemerkbar. Stolz verwies der VDIK auf einen Absatzsprung von 80% bei Modelle mit alternativem Antrieb. Der Marktanteil ist mit 3% zwar gering, doch die E-Zulassungen würden in 2018 deutlich zulegen, prognostizierte der Verband.

Damit internationale Hersteller auch künftig am deutschen Markt Rekorde feiern können, muss Deutschland aufrüsten. Wie es sich für einen waschechten Interessensvertreter gehört, nahm Zirpel die Politik ins Gebet. Er fordert von der neuen Bundesregierung mehr Engagement beim Ausbau der Infrastrukturen von Straßen, Betankungsstellen für Brennstoffzellenfahrzeuge und Ladestationen für E-Autos. Den VDIK selbst sieht der Cheflobbyist nicht der Pflicht.

Nationale Infrastrukturförderung sei Aufgabe des Staates, argumentierte Zirpel. Hier soll der Steuerzahler zur Kasse gebeten werden anstelle von Marktteilnehmern, die von der ausgebauten Infrastruktur profitieren. Auch eine Beteiligung am Diesel-Fonds für bessere Luft in deutschen Städten, bei dem Bund und deutsche Automobilkonzerne Milliarden für die Emissionsreduktion und die Förderung von E-Mobilität auf den Tisch legen, um Kommunen, denen ein Diesel-Fahrverbot droht, unter die Arme zu greifen, lehnt der VDIK vehement ab.

Mit diesem Statement verpasste Zirpel seinem Verbandskollegen Matthias Wissmann einen deutlichen Seitenhieb. Der VDA-Präsident hatte erst kürzlich die Importeure zu einer Beteiligung aufgerufen. Nur so ließe sich das Finanzloch bei dem von den Herstellern geforderten Beitrag von 250 Mio. Euro stopfen. Nicht ganz ohne Eigennutz plädierte Wissmann, der die Finanzlast auf viele Schultern verteilt sehen will, dafür, dass der VDIK entsprechend seines Diesel-Marktanteils gut ein Drittel der Summe beisteuert.