Deutschland im goldenen Zeitalter

Barren und Münzen horten die Deutschen wie keine andere Nation Barren und Münzen horten die Deutschen wie keine andere Nation
© Frank Ulbricht, www.pixelio.de
(09.10.2017)

Es zählt zu den elegantesten Edelmetallen, die unser Planet hervorgebracht hat. Aber Gold ist nicht nur schön anzusehen. Von Anbeginn gilt es als sichere Wertanlage, gut für harte Zeiten und Zeiten wirtschaftlicher Unsicherheit. Ein Blick auf den deutschen Goldmarkt zeigt: von Nuggets, Münzen, Barren und Gold-Indexfonds können die Bundesbürger gar nicht genug bekommen. Doch warum ist dsas so?

Satte 6,8 Mrd. Euro sind hierzulande im vergangenen Jahr in Gold-Investitionen geflossen. 80 Tonnen lagen in Fondsanteilen. Zusätzliche 110 Tonnen wurden in Form von Barren und Münzen gehortet, wie ein Markt-Update des World Gold Council (WGC) zeigt. Damit kletterte die Gesamtnachfrage auf den historischen Höchststand von knapp 200 Tonnen.

Doch woher kommt die Sehnsucht deutscher Sparer, bei der Geldanlage immer mehr zum goldenen „natürlichen Geld“ zu greifen? Und das auch noch antizyklisch zur Wirtschaftsentwicklung. Die Finanzkrise ist längst überwunden. Deutschland erfreut sich einer blühenden Konjunktur. Der günstige Wachstumsausblick der PLATOW Prognose 2017 von 1,8% scheint sich zu erfüllen. Die Arbeitslosenzahl liegt erstmals seit 1991 aktuell wieder bei unter 2,5 Mio.. Von Krise kann wahrlich nicht die Rede sein. Auch am Goldpreis liegt es nicht. Zwar hat sich der Preis je Feinunze nach dem Absturz seit 2013 wieder erholt, liegt aktuell bei 1 269 Dollar. Mehrere Jahre des Wertverlustes hinterließen aber ihre Spuren. Von Preisen um die 1 500 Dollar ist das Edelmetall weit entfernt.

Die Marktexperten des WGC erklären den Goldrausch mit tief sitzenden Ängsten vor Inflation und der Sorge vor Wertverlust bei anderen Anlageklassen wie Aktien oder Anleihen. Mit der Pleite von Lehmann haben sich diese Sorgen fest in die Anlagestrategien eingenistet, so der WGC. Daher rührt wohl der bemerkenswerte Boom, den Gold pünktlich zum Ausbruch der Finanzkrise entwickelt hat. Zwischen 1995 und 2007 lag die jährliche Nachfrage noch bei bescheidenen 17 Tonnen. Gold-ETCs waren in Deutschland keine gelistet. Aktuell (Q3) sind satte 251 Tonnen (9,8 Mrd. Euro) in Gold-Fonds investiert. Das große Geld wollen Anleger mit Gold nicht mehr machen. Hauptmotiv für das Investment ist schlicht der Vermögenserhalt.