IAA – Gute Miene zum bösen Spiel

Kanzlerin Merkel mit VDA-Chef Wissmann auf der IAA 2015 Kanzlerin Merkel mit VDA-Chef Wissmann auf der IAA 2015
© VDA Verband der Automobilindustrie
(08.08.2017)

Um einen Skandal über den eigenen Konzern an der großen Glocke hängen zu sehen, gibt es keinen guten Zeitpunkt. Sehr wohl aber gibt es einen schlechten. Das werden die Oberhäupter der deutschen Automobilindustrie bald spüren. Schließlich müssen sie sich, inmitten hitziger Debatten um das Sein oder nicht (mehr) Sein des Dieselmotors und aufflammender Kartellvorwürfe, auf der IAA (14. bis 24.9.) von ihrer besten Seiten zeigen müssen. Keine leichte Aufgabe.

Auch für Kanzlerin Angela Merkel, die sich bislang ruhig verhielt und auch während des Diesel-Gipfels im Urlaub weilte, ist der traditionelle IAA-Rundgang ein Pflichttermin. Nun läuft die Autoshow Gefahr, dass das schillernde Branchenspektakel und das nur 10 Tage vor der Bundestagswahl eigentlich medienwirksame Händeschütteln der Kanzlerin zu einem gut ausgeleuchteten Schauspiel verkommen. Denn die Beziehung zwischen den Oberhäupter der deutschen Automobilwelt, Daimler-Chef Dieter Zetsche, BMW-CEO Harald Krüger und Volkswagen-Vormann Matthias Müller, ist angeknackst. Und egal ob die Vorwürfe nun stimmen oder nicht, auch die Kanzlerin wird es schwer haben, unter den deutschen Modellen eine politisch neutrale Kühlergrill-Figur zu finden, neben der sie posieren kann. Dennoch werde die kommen, hören wir vom IAA-Gastgeber VDA. Welche Stände sie besucht und mit welchem Manager sie ein Pläuschen halten werde, müsse Frau Merkel noch entscheiden.

Abseits der am Pranger stehenden deutschen Autogrößen hat der Gastgeber noch mit einem anderen Problem zu kämpfen. Beim Oberlobbyisten regnet es Absagen. Alfa Romeo, Fiat, Nissan, Mitsubishi, Jeep, Volvo, Maserati und Peugeot bleiben der IAA in diesem Jahr fern, um nur einige zu nennen. Die IAA, wie auch andere Automessen verlieren zunehmend an Relevanz (s. PLATOW v. 9.12.16). Die nun entstandenen Lücken, so beteuert ein VDA-Sprecher ggü. PLATOW, seien jedoch längst gefüllt worden. Und so präsentiert der VDA stolzerfüllt, gleichwohl überraschend Facebook als Aushängeschild. Der Tech-Gigant fungiert als Botschafter des Leitthemas „New Mobility", schließlich habe Facebook Erfahrung in Sachen künstlicher Intelligenz und virtueller Realität. Allesamt Schnittstellen für die Mobilität der Zukunft. Viel wichtiger aber: Der neue Partner besudelt den offiziellen Dreh- und Angelpunkt der IAA nicht mit skandalbeschmutzen Fingern.