Hapag-Lloyd – Krise am Golf kommt an die Alster

Hapag Lloyd Dublin-Bremen-Express Hapag Lloyd Dublin-Bremen-Express
© Hapag Lloyd
(12.06.2017)

Pech für Hapag-Lloyd-Chef Rolf Habben Jansen. Auch er konnte nicht ahnen, dass ihm ausgerechnet der Zusammenschluss mit der arabischen UASC eine politische Krise ins Haus bringt. Die taufrische Fusion macht die heftig streitenden Mächte Saudi- Arabien und das Emirat Katar zu neuen Ankeraktionären von Hapag.

 Katar kommt auf 14,4%, liegt nur knapp hinter der Stadt Hamburg (14,8%). Saudi Arabien hält 10,1%. Auch im AR sind das Königreich und das Scheichtum vertreten. Eigentlich ist die Reederei-Hochzeit strategisch Gold wert für die Hamburger, um in der rauen Containerschifffahrt zu bestehen. UASC stockt nicht nur die Hapag-Flotte mit neuen Riesenfrachtern auf, sondern bedient wichtige Handelsrouten im arabischen Raum. Hapag klettert damit auf Platz fünf der weltgrößten Container-Reedereien. Durch die Fusion sollen zudem jährlich über 380 Mio. Euro an Kosten gespart werden.

Die diplomatische und wirtschaftliche Eiszeit zwischen Saudi-Arabien, dessen Unterstützern und Katar könnte nun finanzielle Folgen für die deutsche Traditionsreederei haben. Eine geplante Kapitalerhöhung, die rd. 350 Mio. Euro in die Kasse spülen sollte, könnte auf der Kippe stehen. Das Geld sollten die beiden Streitnationen gemeinsam stellen, um den Schuldenabbau der Reederei voranzutreiben.

Ein weiteres Dilemma: Die Häfen Saudi-Arabiens sind für Schiffe unter katarischer Flagge Sperrzone. Davon habe Hapag-Lloyd keine, heißt es aus Hamburg. Auch Frachter, die lediglich aus Katar auslaufen, sind in Saudi-Arabien unerwünscht. Damit wird sich der neue Eigentümer von Hapag früher oder später in den eigenen Bug fahren. Bislang stört sich das saudische Königshaus daran aber nicht. Wie wir von Hapag erfahren, werde die Lage im eigenen Haus momentan genau beobachtet. Wohl nicht ohne Sorgenfalten. Mit Zuversicht hielten die Hamburger jedoch am Plan fest, den neuen Partner noch in Q4 vollends integriert zu haben, so ein Sprecher zu PLATOW.

Die Spannung im Hamburger Ballin-Haus bringt auch Anleger in Unruhe. Die Aktie büßte seit Dienstag (6.6.) 4,2% ein, erreichte am Donnerstag bei 25,80 Euro ein 3-Monats-Tief. Seit Anfang Dezember glänzte das Papier allerdings mit einer guten Performance, legte satte 45% zu.