Wirtschaft

Eigentlich gibt es zum Auftakt der Hamburger Fachmesse WindEnergy (25. bis 28.9.) viel zu bejubeln. Deutsche Windkraft ist technologisch führend, die Kosten je Megawatt (MW) Leistung sind dank größerer und effizienterer Anlagen annähernd wettbewerbsfähig gegenüber anderen Energieträgern, und der Weltmarkt boomt. Doch in der deutschen Windbranche herrscht Katerstimmung. Schuld sind Politik und im Speziellen Energieminister Peter Altmaier, der in der aktuellen Hochphase auf die Bremse tritt.

So hat sich der frisch gebackene Verbandspräsident Bernd Hertweck die Begleitmusik für das Jubiläum sicherlich nicht vorgestellt. Am Sonntag (23.9.) wird der Verband der Privaten Bausparkassen 70 Jahre alt. Das Umfeld, in dem der Verband 1948 gegründet wurde, war mit dem heutigen in keiner Weise vergleichbar. Trotz aller Kritik, welche die Branche in den vergangenen Jahren aushalten musste (Stichwort: „Kündigung hochverzinster Bausparverträge“), bescheinigt der neue Verbandslenker in seinem Jubiläums-Statement dem Produkt Bausparen ein „hohes Vertrauen“. Hertweck hat im Mai den Posten von Andreas J. Zehnder übernommen und einen Generationswechsel eingeleitet. Pünktlich zum Jubiläum ist aber erneut eine Diskussion über die Zukunft des Bausparens aufgeflammt.

Der irische Billig(über)flieger Ryanair kämpft zurzeit an vielen Fronten. In gleich mehreren europäischen Ländern sieht sich der für sein aufbrausendes Temperament berüchtigte Michael O‘Leary aufbegehrenden Gewerkschaften gegenüber, die für Piloten und Flugbegleiter tarifvertraglich gesicherte Arbeitsbedingungen fordern. Für Ryanair wäre das ein Novum. Entsprechend zäh gestalten sich auch die Verhandlungen. Denn die drohenden arbeitsrechtlichen Fesseln passen dem auf Effizienz und Kostendisziplin drängenden Ryanair-Kapitän gar nicht.

Beim „Mobilitätskönig" Deutsche Bahn läuft es aktuell alles andere als rund. Weniger Gewinn, explodierende Ausgaben und gravierende Probleme im Nah- und Güterverkehr zwangen Vorstandschef Richard Lutz jüngst zum Verfassen eines Brandbriefs, um seine Führungs-truppe wieder auf Spur zu bringen. Die Unpünktlichkeit der Züge und die vielen Baustellen deutschlandweit belasten das angekratzte Image des Schienenmonopolisten zusätzlich.

Eine Überraschung war es am Ende dann doch nicht, dass sich Daimler, jetzt auch offiziell mit 20% am VW-Gebrauchtwagenportal „Heycar“ beteiligt. Spekulationen darüber kursierten schon einige Woche. Viel spannender ist dagegen, dass die bisher dominierenden Plattformen Mobile.de und Autoscout24 jetzt ernsthaft Konkurrenz bekommen. Automobilriesen gegen Online-Platzhirsche lautet künftig der Dreikampf bei den großen Gebrauchtwagenbörsen im Netz. Im Zuge einer Kapitalerhöhung beteiligt sich Daimler am Plattformbetreiber Mobility Holding. Wie zu hören ist, sollen neue Investoren dazukommen. Ein möglicher Kandidat ist Toyota (s. PLATOW v. 26.4.).

Europa steckt dieser Tage fest im Griff rechter Hetzer. Ob Chemnitz, Köthen oder Stockholm, die rechten Lager brechen sich Bahn. Die Stimmung im Land ist aufgeheizt. Zeit, ein Zeichen zu setzen: für Europa und die Freiheit des Wortes. Die Frankfurter Buchmesse kommt da wie gerufen. Vier Tage zelebriert die Mainmetropole vom 10. bis 14.10. wieder Kunst, Literatur und die Kraft des geschriebenen Wortes.

In Zeiten der guten alten D-Mark gehörte Deutschland weltweit zu den Ersten, die die Zinszügel strafften, wenn es geboten erschien und der Zyklus es verlangte. Heute stehen wir wieder am Beginn einer Phase steigender Zinsen. Doch diese Entwicklung, die weltweit, ausgehend von den USA, bereits Platz greift und die Emerging Markets vor große Probleme stellt, wird in Deutschland kaum wahrgenommen.

Am Mittwoch hat die ING-DiBa in der Baufinanzierung ihre Konditionen im Finanzierungsauslauf ab 95% in allen Laufzeiten um 20 Basispunkte gesenkt. Dieser Zinsschritt ist im Vergleich zu den vorherigen Anpassungen, die PLATOW regelmäßig beobachtet, außergewöhnlich. In den vergangenen Wochen und Monaten neigte die Frankfurter Direktbank eher zu kleineren Zinsschritten in ausgewählten Laufzeiten. „Hier spielen viele Gründe eine Rolle“, heißt es auf Nachfrage. Im Wochenrhythmus trifft sich bei der ING-DiBa der Zinsausschuss, wo u. a auch über das Zinsverhalten der Wettbewerber gesprochen wird.

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