Wirtschaft

Nicht einmal drei Wochen nach unserem Interview (s. PLATOW v. 1.12.) mit Jürgen A. Junker, in dem der Chef des schwäbischen Vorsorgekonzerns Wüstenrot & Württembergische (W&W) seinen Angriff auf die Top 5 der Branche angekündigt hatte, bereitet der Manager das Terrain für weiteres Wachstum vor. Neben den zwei etablierten Geschäftsfeldern Bausparbank und Versicherung zieht nun auch die Digitalisierung offiziell ins Konzern-Management ein.

Am 3.1. tritt die neue EU-Finanzmarktrichtlinie MiFID II in Kraft. Die neuen Offenlegungsvorschriften werden nach Meinung von Christine Bortenlänger, geschäftsführende Vorständin beim Deutschen Aktieninstitut (DAI), vor allem die Verfügbarkeit von Research kleiner und mittlerer Unternehmen „spürbar verändern“. BVI-Hauptgeschäftsführer Thomas Richter ist der Auffassung, dass sich Investoren künftig genauer überlegen werden, welche Analysen taugen und wieviel sie bezahlen wollen.

In den Augen von Martin Hellwig, einer Koryphäe im Kreis deutscher Wirtschaftsprofessoren, hat die EZB unter Mario Draghi lange alles richtig gemacht, so Hellwig beim ZinsFORUM. Mit ihren niedrigen Zinsen stabiliserte sie das Finanzsystem, griff den hochverschuldeten Staaten unter die Arme und half den Banken, allerdings auch den maroden, die, anders als in den USA, nicht konsequent genug geschlossen, sondern künstlich am Leben gehalten wurden. Nicht zuletzt deshalb schwelt die Finanzkrise in Europa, wenn auch latent, immer noch weiter.

Die jetzt im Raum stehende Milliardenhochzeit zwischen BASF-Öl-Tochter Wintershall und dem deutschen Erdöl-Konkurrenten Dea (s. PLATOW v. 27.11.) nimmt weiter Formen an. Mit der Unterzeichnung einer Absichtserklärung zur Zusammenarbeit gaben die Eltern vergangene Woche die Heiratsabsicht bekannt. Ob es nach der Verlobungsphase, in der eine Due Diligence durchgeführt und die konkreten Klauseln des Ehevertrags verhandelt werden, zur Hochzeit kommt, lassen BASF und die Dea-Mutter Letter-One bewusst offen. Dennoch stehen bereits die Eckpfeiler für das kombinierte Geschäft von Wintershall Dea:

Wenn die großen Himmelsstürmer Rekordzahlen melden und Low-Coster weiter auf Wachstumspfaden wandern, dann profitieren davon auch die Flughafenbetreiber am Boden. Einer davon ist Fraport. Vorbei scheinen die harten Zeiten, in denen die Passagierzahlen kaum vom Fleck kamen und zuletzt sogar leicht zurückgingen (2016: -0,5%). Jüngst gab Fraport-Chef Stefan Schulte in Frankfurt eine Prognose für 2017 und einen erstaunlichen Ausblick auf das kommende Jahr.

Während die deutsche Automobilbranche bemüht ist, ihre durch Abgasskandale und Kartellvorwürfe besudelte weiße Weste wieder sauber zu klopfen, läuft es für internationale Autohersteller am deutschen Markt rund, so das freudige Fazit des Automobilverbands VDIK auf seiner Jahres-PK. Gut 3,4 Mio. Pkw (+2,3%) werden in diesem Jahr von den Fließbändern der Importeure auf deutsche Straßen rollen – so viel wie seit acht Jahren nicht mehr. 

Der Bundesverband Öffentlicher Banken, kurz VÖB, mit seinen 62 Instituten, aber auch der vdp Verband Deutscher Pfandbriefbanken mit Mitgliedern von Aareal bis Wüstenrot lassen sich übers Jahr viel einfallen fürs Networking.

Für das beschauliche Duderstadt ist Ottobock ein echtes Schwergewicht. Tatsächlich zählt der Prothesen-Spezialist zu den größten der Welt. Unter der Führung von Gründerenkel Hans Georg Näder, der zugunsten seines extravaganten Lebensstils gerne in die eigene Tasche wirtschaftet, schwächelte der MedTech-Konzern operativ zuletzt erheblich. Darunter leiden vor allem die Investitionen, was auf dem forschungsintensiven Gebiet der Prothesen- und Orthesen-Herstellung, dem Kerngeschäft von Ottobock, schnell zum Problem werden kann. Um die Investitionsdisziplin wieder zu beleben, ohne große Opfer bringen zu müssen, hatte sich Näder den Privatinvestor EQT ins Haus geholt.

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