GDV–Präsident Weiler hält Kritik an Digitalstrategie für überzogen

GDV-Präsident Wolfgang Weiler auf der Jahres-PK am 29. Januar 2019 in Berlin GDV-Präsident Wolfgang Weiler auf der Jahres-PK am 29. Januar 2019 in Berlin
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(30.01.2019)

Die deutsche Versicherungswirtschaft hat im vergangenen Jahr bei ihren Beitragseinnahmen erstmals die Marke von 200 Mrd. Euro überschritten. Sie legten um 2,1% auf 202,2 Mrd. Euro zu (2017: +1,9%). Neben der Schaden- und Unfallversicherung (+3,3% auf 70,6 Mrd. Euro) und der privaten Krankenversicherung (+1,7% auf 39,7 Mrd. Euro) bleibt die Lebensversicherung (+1,4% auf 91,9 Mrd. Euro) die mit Abstand größte Sparte der Assekuranz, wie die am Dienstag vorgestellte Jahresstatistik des Branchenverbands GDV zeigt.

So erfreulich die Zahlen auf den ersten Blick wirken, ist das Comeback der seit Jahren gebeutelten Leben-Policen jedoch nicht. Zwar konnte das LV-Neugeschäft auf Grundlage der APE-Kennzahl (Annual Premium Equivalent) sowohl gegen laufenden Beitrag (+1,9% auf 5,3 Mrd. Euro) als auch Einmalbeitrag (+3,7% auf 27,2 Mrd. Euro) zulegen, die Anzahl der Verträge ist aber erneut um 1,4% auf 86,5 Mio. Policen geschrumpft. Hier zeigt sich die noch insgesamt fehlende Überzeugungskraft der Branche auf ihrem Weg zu neuen Produkten mit modifizierten Garantien im Neugeschäft. 2018 lag ihr Anteil bei 58% (2017: 50%) des gesamten APE. In der betrieblichen Altersvorsorge (bAV) stiegen hingegen die Vertragsabschlüsse leicht um 0,5% auf 15,9 Mio. Policen, was auf das seit 2018 gültige neue Betriebsrentenstärkungsgesetz zurückzuführen ist. Die bAV-Bruttobeitragseinnahmen sanken hingegen um 8,6% auf 17,8 Mrd. Euro.

Neben der obligatorischen GDV-Statistik widmete sich Verbandspräsident Wolfgang Weiler auch wichtigen Zukunftsthemen, wie etwa dem Dauerbrenner Digitalisierung. Hier widersprach er der Medienkritik, wonach die Assekuranz noch immer nicht die Zeichen der Zeit verstanden habe. 2018 hat die Branche lt. GDV ihre IT-Ausgaben auf nunmehr 4,5 Mrd. Euro erhöht. Es sei nicht zutreffend, dass es bei der Digitalisierung keine Fortschritte gäbe, so Weiler. Rückendeckung bekam der GDV-Präsident von R+V-Chef Norbert Rollinger, der die von Medien und Verbrauchern kritisierten teils hohen Produktkosten mit „weiterhin hohen Investitionen“ der Branche verteidigte. Mittlerweile sei es zu deutlichen Kostenverschiebungen gekommen, sagte Rollinger. Anstatt in Hardware und Rechenzentren werde jetzt kräftig in die Anwendungsentwicklung und in cloudbasierte Lösungen investiert.