Tarifstreit – Ryanair-Chef kauft sich mehr Zeit bei Investoren

 Mit einer möglichen Tarifeinigung bis Weihnachten versucht Ryanair die Aktionäre bei Laune zu halten. Mit einer möglichen Tarifeinigung bis Weihnachten versucht Ryanair die Aktionäre bei Laune zu halten.
© Ryanair
(19.09.2018)

Der irische Billig(über)flieger Ryanair kämpft zurzeit an vielen Fronten. In gleich mehreren europäischen Ländern sieht sich der für sein aufbrausendes Temperament berüchtigte Michael O‘Leary aufbegehrenden Gewerkschaften gegenüber, die für Piloten und Flugbegleiter tarifvertraglich gesicherte Arbeitsbedingungen fordern. Für Ryanair wäre das ein Novum. Entsprechend zäh gestalten sich auch die Verhandlungen. Denn die drohenden arbeitsrechtlichen Fesseln passen dem auf Effizienz und Kostendisziplin drängenden Ryanair-Kapitän gar nicht.

Und so sorgt seine mangelnde Kompromissbereitschaft seit Wochen bei der Fluglinie für eine beispiellose Streikwelle, die längst nicht nur den Betriebsablauf stört.

Zur Jahreshälfte musste O‘Leary bereits deutlich geringere Gewinne ausweisen. Zudem befindet sich die Aktie des Branchenprimus seit Jahresanfang im Sinkflug. Als am vergangenen Donnerstag hierzulande, dem wichtigsten Wachstumsmarkt der Iren, erneut rd. 1 500 Mitarbeiter für 24 Stunden die Arbeit niederlegten, rauschte der Titel an der Frankfurter Börse auf ein neues Tief bei 13 Euro. Für O‘Leary wird das gewerkschaftliche Störfeuer damit zusehends zum Problem.

Aller Kritik zum Trotz sitzt der Manager aber weiter sicher hinterm Steuer, wie Vertriebschef Kenny Jacobs nun auf einem Reisekongress in Köln bestätigte. O‘Leary werde dem Unternehmen noch lange erhalten bleiben, mindestens fünf Jahre, versicherte Jacobs den anwesenden Branchenvertretern. Dennoch braucht der Ryanair-Chef dringend gute Nachrichten, um die verstimmten Investoren bei der Stange zu halten. Pünktlich zur HV am Donnerstag (20.9.) ließ er auf dem Kongress denn auch Zuversicht streuen, bis Weihnachten eine Einigung mit Ver.di und der Vereinigung Cockpit für das deutsche Ryanair-Personal zu erreichen. Bis dahin sollen alle hiesigen Piloten fest angestellt sein. Weiter kündigte Jacobs einige Verbesserungen an, die O‘Leary auf der HV unter Ausschluss der Presse mit den Aktionären offen diskutieren werde.