Innotrans 2018 – Bahn-Chef setzt auf Vorstandsoffensive

Innotrans 2018 – Bahn-Chef setzt auf Vorstandsoffensive
© Deutsche Bahn AG
(18.09.2018)

Beim „Mobilitätskönig" Deutsche Bahn läuft es aktuell alles andere als rund. Weniger Gewinn, explodierende Ausgaben und gravierende Probleme im Nah- und Güterverkehr zwangen Vorstandschef Richard Lutz jüngst zum Verfassen eines Brandbriefs, um seine Führungs-truppe wieder auf Spur zu bringen. Die Unpünktlichkeit der Züge und die vielen Baustellen deutschlandweit belasten das angekratzte Image des Schienenmonopolisten zusätzlich.

Für Lutz wird es im Berliner Bahn-Tower immer enger, erwartet der AR auf der Sitzung am 26.9. doch Antworten auf drängende Fragen. Während der Bahn-Lenker über einen Ausweg aus der Misere grübelt, wirbt er parallel auf der „Innotrans 2018" (18. bis 21.9.) in Berlin um die Gunst der Mobilitätsbranche. Denn auch in diesem Jahr ist der Staatskonzern auf der weltgrößten Messe für Verkehrstechnik einer der größten Aussteller.

Mit einem prall gefüllten Programm und reichlich Vorstandspräsenz geht die Bahn das über 3 000 Aussteller umfassende Branchen-Schaulaufen an. Lutz, Digitalvorständin Sabina Jeschke, Personalchef Berthold Huber und Infrastruktur-Vorstand Ronald Pofalla führen der Politikprominenz wie den Verkehrsministern von Bund und Bayern, Andreas Scheuer und Ilse Aigner, höchstpersönlich die Innovationen des Hauses vor, darunter ein 1 zu 1-Modell des mit neuen Raumkonzepten und digitalen Serviceangeboten ausgestatteten Ideenzugs für den Regionalverkehr. In verschiedenen Panels und Foren diskutiert der Bahn-Stab zudem mit internationalen Kollegen über Trendthemen wie den digitalen Verkehr oder intermodale Mobilität. Erst jüngst startete die Bahn mit dem Einstieg beim Fahrdienstleister Clevershuttle auf diesem Feld wieder einen Angriff auf Rivale FlixMobility, der dort mit seinen Zug- und Busflotten zusehends die Taktung vorgibt (s. PLATOW v. 7.9.).

Um den digitalen Anschluss geht es indes auch beim Technologie-Marathon am DB-Stand, der Entwickler, Designer und Gründer aus der ganzen Welt anlocken soll, um neue Prototypen von Apps, Softwareanwendungen und Websites für den Schienenverkehr zu entwickeln. In der Krise überlässt der Bahnchef offenbar nichts dem Zufall. Mit aller Kraft versucht er vielmehr den alternden Mobilitätsriesen in der Hauptstadt dynamisch, innovativ und attraktiv in Szene zu setzen.