Autoindustrie greift Mobile.de und Autoscout24 an

VW hat den Anfang gemacht. Jetzt kommt Daimler Financial Services dazu. Beide wollen von Heycar profitieren. VW hat den Anfang gemacht. Jetzt kommt Daimler Financial Services dazu. Beide wollen von Heycar profitieren.
© Volkswagen Bank
(14.09.2018)

Eine Überraschung war es am Ende dann doch nicht, dass sich Daimler, jetzt auch offiziell mit 20% am VW-Gebrauchtwagenportal „Heycar“ beteiligt. Spekulationen darüber kursierten schon einige Woche. Viel spannender ist dagegen, dass die bisher dominierenden Plattformen Mobile.de und Autoscout24 jetzt ernsthaft Konkurrenz bekommen. Automobilriesen gegen Online-Platzhirsche lautet künftig der Dreikampf bei den großen Gebrauchtwagenbörsen im Netz. Im Zuge einer Kapitalerhöhung beteiligt sich Daimler am Plattformbetreiber Mobility Holding. Wie zu hören ist, sollen neue Investoren dazukommen. Ein möglicher Kandidat ist Toyota (s. PLATOW v. 26.4.).

Neben neuer Kunden möchten die zwei großen Autobauern über die markenneutrale Plattform vor allem ihre Financial Services-Tochtergesellschaften pushen. Mittlerweile nutzen viele Neuwagen-Käufer – bei Daimler ist es jeder Zweite – auch die angebotenen Finanzdienstleistungen wie etwa Finanzierung und Versicherungen. Bei Gebrauchtwagen-Kunden liegt diese Quote bei unter 20%. Zur besseren Einordnung des Potenzials dient dieser Vergleich: Während 2017 in Deutschland 3,4 Mio. Neuwagen zugelassen wurden, sind im selben Jahr sieben Mio. gebrauchte Autos verkauft worden, und das überwiegend über die vorangegangene Suche auf Gebrauchtwagenportalen. Für VW und Daimler heißt es jetzt, die Werbetrommel für Heycar (im Herbst 2017 gestartet) kräftig zu rühren. Der Abstand zu Mobile.de und Autoscout24 ist allerdings noch zu groß. Derzeit bietet die Heycar-Plattform 300 000 Fahrzeuge an. Im Q2 2019 sollen es nach VW-Angaben bereits 500 000 Autos sein. Die beiden Online-Platzhirsche bringen es dagegen auf mehrere Millionen Gebrauchtwagen.