Weltkonjunktur - Trump als Spielverderber

Weltkonjunktur - Trump als Spielverderber
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(11.09.2018)

In Zeiten der guten alten D-Mark gehörte Deutschland weltweit zu den Ersten, die die Zinszügel strafften, wenn es geboten erschien und der Zyklus es verlangte. Heute stehen wir wieder am Beginn einer Phase steigender Zinsen. Doch diese Entwicklung, die weltweit, ausgehend von den USA, bereits Platz greift und die Emerging Markets vor große Probleme stellt, wird in Deutschland kaum wahrgenommen.

Inmitten der Eurozone, mit seit acht Jahren brummender Konjunktur, halbwegs solider Haushaltslage und einer EZB-Politik, die auf hochverschuldete Länder wie Italien und Frankreich Rücksicht nehmen muss, sind nennenswert steigende Zinsen in Europa immer noch in weiter Ferne. Dass sich die Welt vom im Frühjahr noch gepriesenen Goldilocks-Szenario aber schon entfernt hat, wird nicht so richtig wahrgenommen. Es sei denn beim Blick auf die Börsen. Hier hat beispielsweise der DAX seit Ende Mai schon ca. 1 000 Zähler verloren. Viel deutet darauf hin, dass ein über drei Jahrzehnte währender und damit einer der längsten Zyklen mit sinkenden Zinsen unweigerlich zu Ende geht. Der Anstieg erfolgt behutsam, aber stetig.

Die Schwellenländer klagen bereits über Kapitalflucht und erodierende Währungen, was den Zinsanstieg in diesen Staaten weiter befeuert. In den USA nimmt es die Politik nicht so klaglos hin, dass sich Geld verteuert. Donald Trumps Drohgebärden in Richtung Fed-Chef Jerome Powell sprechen Bände. Er wird nicht durchdringen, denn wenn die wichtigste Notenbank der Welt ihre Glaubwürdigkeit durch politische Abhängigkeit verliert, ist das ganz anders einzuordnen für die Finanzwelt, als wenn sich Recep Erdogan, der Präsident eines vergleichsweise unwichtigen Landes, einmischt. Im Normalfall werden Börsen mit steigenden Zinsen fertig, wenn die Gewinne mitspielen. Diesmal erschwert Trump mit den von ihm angezettelten Handelskriegen die Lage ungemein, vor allem durch die Konfrontation mit China.