Capsensixx liefert alles, was am Kapitalmarkt Sinn macht

Capsensixx-Vorstandschef Sven Ulbrich (links) liefert Finanzdienstleistungen Capsensixx-Vorstandschef Sven Ulbrich (links) liefert Finanzdienstleistungen
© Capsensixx AG
(18.06.2018)

Mit Capsensixx strebt ein weiterer Börsen-Aspirant auf das Frankfurter Parkett. Bis Montag, 18.6., können Anleger zeichnen. Aber taugt die Tochter des Vermögensverwalters PEH auch etwas? Wir haben uns das Papier genauer angesehen.

PEH (35,40 Euro; DE0006201403) ist Finanzmarktexperten ein Begriff. Sein Geschäftsbereich Axxion liefert ein Rundherum-Sorglos-Paket an Dienstleistungen für Fondsmanager, die sich dann wie der deutsche Value-Papst Frank Fischer nur noch um das Verwalten der Kundengelder kümmern müssen. Der Bereich Oaklet ist mehr etwas für Kenner, er bietet Hilfestellung bei der Verbriefung von alternativen Assets wie etwa Windkraftanlagen. Beide Bereiche bringt PEH jetzt unter dem Namen Capsensixx an die Börse, wobei der Kunstname mit der Idee der Gründer spielt, alles zu liefern, was am Kapitalmarkt Sinn macht. Wie uns Capsensixx-CEO Sven Ulbrich im exklusiven PLATOW-Gespräch erläutert, wird Capsensixx aber erst richtig spannend durch die Mitgift für den Börsengang, das neue Start-up Coraixx.

Denn das Geld aus dem IPO soll in erster Linie zur Finanzierung des Aufbaus dieses dritten Geschäftsbereichs genutzt werden. Coraixx ist eine Technologie, die Rechnungen lesen kann und dabei im Laufe der Zeit lernt, immer mehr Rechnungsformate automatisch zu erfassen. Zusammen mit TUI wurde die Software über drei Jahre lang ausgetüftelt. „Wir richten uns v. a. an die großen Kunden, die jährlich mehr als 500 000 Rechnungen schreiben", so Ulbrich. Das Geschäft hat Zukunft: In Deutschland werden pro Jahr über 32 Mrd. Zahlungsbelege geschrieben, wobei nur ein einstelliger Prozentbereich davon elektronisch vorliegt. Hinzu kommt der „Zusatzeffekt" aus dem nebenbei gehobenen Datenschatz: Neue Marketing-Aktivitäten sind für den Kunden dann ebenso möglich wie das Auswerfen statistischer Erhebungen. Entsprechend wird auch das Geschäft von Capsensixx brummen: Der Umsatz dürfte sich nach unserer Schätzung von rd. 116 Mio. Euro im vergangenen Jahr auf bis zu 165 Mio. Euro in zwei Jahren erhöhen. Das EBIT wird noch stärker von 7,2 Mio. (2017) auf geschätzt 12,5 Mio. Euro (2020) klettern. Das ergibt nach unserer Kalkulation am oberen Ende der Preisspanne ein 2018er-KGV von 17 – was für ein Fintech-nahes Unternehmen mit großen Wachstumsperspektiven keine Überbewertung darstellt. Wird zudem etwa die Hälfte davon ausgeschüttet – CEO Ulbrich spricht von einer „attraktiven" Dividendenpolitik –, so errechnet sich eine Rendite von 2,9% für 2018.

Anleger können die Aktie (DE000A2G9M17) noch bis zum 18.6. in einer Spanne von 16,00 bis 19,00 Euro zeichnen. Platziert werden 330 000 neue Aktien plus 527 500 Papiere aus dem Altbesitz von PEH. Der Streubesitz erreicht damit auch ohne die Mehrzuteilungsoption die für die geplante Notierung im Prime Standard notwendigen 25%. Das Papier ist attraktiv gepreist und Privatanleger sollten versuchen, über den Zeichnungsprozess Stücke zu ergattern. Allerdings ist die Marktkapitalisierung mit maximal 64,6 Mio. Euro recht niedrig, so dass es nach dem Börsengang zu einem engen Tageshandel kommen kann.

Unsere aktuelle Empfehlung zur Zeichnungsphase für Capsensixx lesen Sie in der Ausgabe der PLATOW Börse vom 18.6.2018.