Deutsche Bahn – Politisches Ränkespiel überraschend beendet

Deutsche Bahn – Politisches Ränkespiel überraschend beendet
© Deutsche Bahn/Uwe Miethe
(12.11.2017)

Nach acht Monaten mit Querelen um die Vergabe der vakanten Stellen im Vorstand der Deutschen Bahn wurden die Ressorts Güterverkehr und Digitalisierung besetzt und die Nachfolge des Personalvorstands geregelt. Zuvor scheiterte AR-Chef Utz-Hellmuth Felcht gleich zweimal an der Aufgabe, Verstärkung für den frisch ins Amt berufenen Bahn-Chef Richard Lutz zu finden.

Arbeitnehmer und SPD verwehrten Felcht die Mehrheit im AR. Nachdem Jürgen Wildner, DB Cargo-Chef und Felchts Favorit für das Ressort Güterverkehr/Logistik, im AR durchfiel und danach sogar seinen Dienst quittierte, ist der Dissens im AR nun überwunden: Alexander Doll, Deutschlandchef der Barclays Bank, leitet künftig die kriselnde Gütersparte. Dem Wunsch der SPD nach mehr Frauen in der DB-Chefetage wurde mit Sabine Jeschke, Maschinenbau-Professorin aus Aachen, Rechnung getragen. Sie wird Vorständin für Digitalisierung und Technik. Den zum Jahresende scheidenden Personalvorstand Ulrich Weber beerbt Martin Seiler, Personaldirektor der Deutschen Telekom.

Zwar rufen drei leere Stelle bei einem nur sechs Köpfe umfassenden Vorstand nach einer schnellen Lösung. Ungewöhnlich ist das Timing dennoch. So nimmt sich jede Regierung gerne das Recht heraus, die Besetzung der Chefsessel im Staatskonzern mitzugestalten. Sich inmitten der Sondierungsgespräche die lukrativen Bahn-Stellen, mit denen sich der eine oder andere störrische Koalitionspartner besänftigen ließe, aus der Verhandlungsmasse nehmen zu lassen, überrascht. Offenbar dauert der politische Leerlauf auf Bundesebene zu lange. Güterverkehr und Digitalisierung zählen schließlich zu den Sorgenkindern der Bahn, denen monatelange Führungslosigkeit nicht gut bekommen wäre.

Auch der Autorität von Oberaufseher Felcht bekam die wiederholte Absage des AR nicht gut, zumal ihm böse Zungen auch die Posse um die Vertragsverlängerung von Ex-Chef Rüdiger Grube in die Schuhe schieben, die in Grubes Rücktritt endete. Ob Felcht noch zum Bauernopfer des politischen Ränke-spiels wird und seinen Hut ziehen muss, bleibt abzuwarten.