Uniper – Kampf gegen Fortum noch nicht verloren

Uniper – Kampf gegen Fortum noch nicht verloren
© Uniper SE
(08.11.2017)

Es ist offiziell: Der finnische Versorger Fortum hat ein Angebot für die Anteile des E.ON-Ablegers Uniper vorgelegt. 22 Euro je Aktie will Fortum zahlen. Zwar richtet sich das Angebot primär an das restliche E.ON-Paket von rd. 47%, doch seien auch alle anderen Anleger willkommen, erklärte Fortum-CEO Pekka Lundmark.

Unterdessen holt Uniper-Chef Klaus Schäfer noch mal weit zum Schlag gegen die Offerte der Finnen aus. In einem offenen Brief, verpackt als Anzeige in finnischen Tageszeitungen, warnte er davor, dass die Strategien der beiden Konzerne nicht vereinbar wären. Denn Fortum sieht sich als Saubermann der Branche während Uniper dreckige Kohle- und Gaskraftwerke betreibt.

Geholfen hat es nichts. Bis zum 16. Januar können Uniper-Aktionäre nun ihre Anteile andienen. Aufbessern werde Fortum das Angebot nicht, betonte Lundmark. Auf das Versprechen, dass Fortum keine Änderungen im Management und Meiler-Portfolio vornehmen wolle, sondern solche Entscheidungen auch künftig in der Obhut des Uniper-AR blieben, gibt Schäfer bislang nichts. Schließlich will Fortum nach dem Aktienkauf in eben jenen AR einziehen. Auf Nachfrage bestätigte Uniper-CFO Christopher Delbrück, dass dann wohl der von E.ON besetzte Platz ausgetauscht werden würde. Dabei handelt es sich um E.ONs CFO Marc Spiecker. Nun hat Spiecker nicht irgendeinen AR-Posten inne, sondern den des stellvertretenden Vorsitzenden. Unberechtigt ist Schäfers Sorge also nicht.

Im Schatten der Fortum-Offerte verschwindet fast die Bilanz, die Uniper am Dienstag für die ersten neun Monate zog. Dabei sollte das jüngste Zahlenwerk inmitten des von Schäfer stets als feindliches Übernahmemanöver kritisierten Gerangels den Erfolg einer unabhängigen Uniper unterstreichen, wie Delbrück demonstrativ hervorhob. Schäfer selbst blieb der Konferenz fern. Tatsächlich lief es für den Stromversorger nicht schlecht. Das EBIT ging zwar um 24% auf 952 Mio. Euro zurück. Die Differenz geht jedoch maßgeblich auf die hohe Rückerstattung des russischen Gaslieferanten Gazprom im Vj. zurück.

Unterm Strich konnte Delbrück einen Konzerngewinn von 782 Mio. Euro vorlegen. Im Vj. machte Uniper auf Grund hoher Wertberichtigungen im europäischen Erzeugungs- und Speichergeschäft noch satte 4,2 Mrd. Euro Miese. Lange wird Schäfer seine Abwehrhaltung nicht aufrechterhalten können. Spätestens wenn Fortum sich eingekauft hat, muss Uniper den Dialog mit dem neuen Großinvestor suchen. Das räumte auch Delbrück ein. Und dass Fortum mindestens die E.ON-Anteile bekommt, gilt als „done deal". Schließlich drohen den Essenern „breakup fees" in Höhe von bis zu 1,5 Mrd. Euro, sollte die Transaktion platzen. Hinter dieser „ungewöhnlich hohen" Ausgleichszahlung vermutet Delbrück das Kalkül, weitere Angebote zu verhindern. Uniper behalte sich daher alle nötigen Schritte vor, die im Sinne der Aktionäre seien. Dazu zählen wohl auch rechtliche Maßnahmen, auch wenn Delbrück dies nicht ausdrücklich bestätigen wollte. Noch will Uniper also kämpfen