Allianz und Talanx sehen Korrekturbedarf bei Solvency II

Der Branchenverband lädt am 8. November 2017 zur internationalen Konferenz zur Versicherungsregulierung nach Berlin ein. Der Branchenverband lädt am 8. November 2017 zur internationalen Konferenz zur Versicherungsregulierung nach Berlin ein.
© GDV
(07.11.2017)

Gegensätzlicher kann die zukünftige Finanzmarktregulierung zwischen Europa und den USA kaum sein. Während Donald Trump mit der Nominierung des Juristen Jerome Powell für den Posten des neuen US-Notenbank-Chefs die Deregulierung vorantreibt (S. 4), versucht Europa derweil die Regeln für Banken und Versicherungen mit Basel III bzw. Solvency II zu optimieren. So kommen am Mittwoch in Berlin auf Einladung des Branchenverbands GDV hochrangige deutsche und europäische Vertreter aus Politik und Unternehmen zur internationalen Konferenz zur Versicherungsaufsicht zusammen. Knapp zwei Jahre nach dem Start des europäischen Aufsichtssystems Solvency II ist es Zeit für eine Zwischenbilanz.

Seit 2016 müssen Versicherer bspw. für ihre LV-Bestände deutlich höhere Eigenmittel hinterlegen, was auf die Bilanzen drückt. Durch den Verkauf dieser Bestände erhoffen sich einige Versicherer u. a. eine Verbesserung ihrer Solvency-Quoten. Sein klares „Nein“ zu möglichen LV-Bestandsverkäufen hat jüngst Allianz Leben-Chef Markus Faulhaber auf der Finanzmesse DKM bekräftigt. Allerdings ist Deutschlands größter Versicherer mit der Umsetzung von Solvency II nicht zufrieden. Allianz Deutschland Finanzchef Burkhard Keese, aber auch andere Gesellschaften fürchten ein zu prozyklisches Handeln bei der Kapitalanlage. Gemeint ist damit, dass der Zwang zu handeln, Trends auf dem Kapitalmarkt verstärken könnte. Das wiederum könnte negative Auswirkungen auf Versicherer und Märkte haben.

Auch Immo Querner, Finanzchef bei Talanx, ist mit einigen Einzelheiten des Regelwerks nicht zufrieden und zieht eine „gemischte Bilanz“, wie er uns im Gespräch sagte. Er wünscht sich eine maßvolle Regulierung, die sich zunächst auf die gesetzlichen Überprüfungsnotwendigkeiten beschränkt. Aus seiner Sicht wäre es gut, erstmal drei Jahre ins Land gehen zu lassen und das System stabil zu halten. Er ist überzeugt, dass speziell durch die Einführung interner Modelle systemische Risiken reduziert werden und die Grundlage für Risiko/Return-Entscheidungen bereichert wird. Neben Staatssekretär Thomas Steffen aus dem Bundesfinanzministerium sind mit den Bundestagsabgeordneten Anja Karliczek, Solvency II-Berichterstatterin der CDU/CSU-Fraktion, sowie Gerhard Schick, finanzpolitischer Sprecher der Fraktion Bündnis 90/Die Grünen, auch ranghohe Vertreter aus den aktuellen Sondierungsgesprächen für eine mögliche Jamaika-Koalition bei der Konferenz dabei. Keine Frage, Deutschland hatte bei EU-Regulierungsvorhaben schon immer ein großes Gewicht.