IG Metall stellt die Weichen für den Arbeitskampf

IG Metall-Chef Jörg Hofmann macht ernst. Am 15.11. starten die Tarifrunden. IG Metall-Chef Jörg Hofmann macht ernst. Am 15.11. starten die Tarifrunden.
© IG Metall
(11.10.2017)

Schon seit Wochen bereitet sich die IG Metall akribisch auf das tarifpolitische Kräftemessen mit den Arbeitgebern der Metall- und Elektroindustrie vor. Nachdem die regionalen Tarifkommissionen bereits im Vormonat über die Forderungen für die Tarifrunde 2017/2018 diskutiert hatten (s. PLATOW v. 13.9.), verkündete gestern in Frankfurt auch der IG Metall-Vorstand seine Empfehlungen an die Basis. Neben den angekündigten 6% mehr Lohn für 12 Monate, fordert die IG Metall-Führung für die 3,9 Mio. Branchenbeschäftigten vor allem mehr Selbstbestimmung bei der Arbeitszeit und gibt damit, wie erwartet, den Manteltarifvertrag zum Abschuss frei.

Jeder Mitarbeiter soll künftig das Recht haben, seine Wochenarbeitszeit für maximal zwei Jahre auf bis zu 28 Stunden zu drosseln, um Beruf und Privates besser in Einklang zu bringen. Es könne nicht sein, dass das Mantra der Arbeitgeber – „Vollzeit + Überstunden + Flexibilität + Leistungsdruck“ – weiter Bestand hat und die Teilzeitfalle gerade für Frauen mit Familie die einzige Alternative ist, poltert IG Metall-Chef Jörg Hofmann. Wer maximale Flexibilisierung fordert, muss diese auch selbst geben, erklärt der Gewerkschaftsboss und verweist dabei auf die wichtige Zukunftsaufgabe der Fachkräftesicherung. Mit attraktiveren Arbeitszeiten könnten künftig auch mehr Frauen für die Männerdomäne gewonnen werden. Aktuell beträgt ihr Anteil in der Branche gerade einmal 20%.

Finanziert werden soll das Ganze von den Arbeitgebern. Denn die Option, weniger zu arbeiten, dürfe nicht vom Geldbeutel abhängen, betont Hofmann. Die IG Metall sieht hierfür fixe Entgeltzuschüsse vor, die sich in einer Spannen zwischen 300 und 750 Euro pro Mitarbeiter und Jahr bewegen, je nach Art des Dienstes. Mehrkosten, die sich die Arbeitgeber dank brummender Geschäfte problemlos leisten können, stichelt Hofmann. Die Angriffslust der IG Metall ist damit geweckt.

Stimmt die Basis am 24.10. für die Aufkündigung des Manteltarifvertrags, ist der Weg frei für einen ordentlichen Arbeitskampf. Am 15.11. starten die Tarifrunden. Hofmann rechnet schon jetzt mit einem anspruchsvollen Verhandlungsmarathon mit möglichen Warnstreiks ab Januar 2018.