Unilever/Nestlé – Die andere Art des „organischen“ Wachstums

Lebensmittelriesen schwenken von fertig zu frisch. Lebensmittelriesen schwenken von fertig zu frisch.
birgitH, www.pixelio.de
(08.09.2017)

Es ist noch gar nicht lange her, da konnten die Giganten der Lebensmittelbranche wie Nestlé und Unilever mit ihren Kultmarken Maggi, Knorr, Pfanni und Thomy vom blühenden Trend komfortabler Fertigprodukte profitieren. Dass dieser weitverbreitete Lebensstil zunehmend vom steigendem Bewusstsein zu sozialer Verantwortung und erstarktem Umweltempfinden verdrängt wird, spürt die Industrie deutlich. Nun reagieren die ganz großen der Branche.


Nicht grundlos steuerte Nestlé mit der neuen Nr. 1, dem ehemaligen Fresenius-Chef Ulf Schneider, einen neuen Kurs in Richtung Gesundheitskonzern. So setzen die Schweizer mit ihrem Lebensmittelportfolio auf „gesunden Trend“. Klein aber fein: Nestlé will Sweet Earth, den US-Hersteller fleischloser Gerichte auf Basis pflanzlicher Proteine, kaufen. Ziel sei es, so heißt es aus Vevey am Genfersee, das Portfolio an vegetarischer Nahrung auszubauen. Eine Minderheitsbeteiligung an Freshly, einem ebenfalls amerikanischen Anbieter frisch zubereiteter Gerichte, halten die Schweizer seit Juni. Auch Unilever shoppt sich das Portfolio gesund. CEO Paul Polman will sich die organische Tee-Manufaktur Pukka schnappen. Der Markt pflanzlicher Lebensmittel wächst bereits zweistellig. Bis 2020 dürfte das weltweite Marktvolumen über 4 Mrd. Euro betragen.

Nestlé und Unilever tun gut daran, sich all den im Alltag vieler Konsumenten etablierten Ernährungseigenschaften wie bio, vegan, nachhaltig und organisch zu widmen. Die Konkurrenz verschläft den Wandel im Konsumverhalten schließlich auch nicht. Mit dem Kauf der weltweit größten Biosupermarktkette Wholes Food hat sich ausgerechnet ein Branchenfremder, nämlich der Versandriesen Amazon, einen der dicksten Fische geangelt. Für satte 12,5 Mrd. US-Dollar sicherte sich Danone den veganen/vegetarischen Produzenten Whitewave Foods. Nestlé und Unilever schweigen sich über Kaufsummen aus. Milliardendeals werden es aber nicht sein, was auch nicht nötig ist. Mit kleinen Schritten lässt sich große Wirkung erzielen. Es sind oft ideenreiche Startups, die im Bereich „Healthy Food“ den Nerv der Zeit treffen und auf diese Weise enormes Wachstumspotenzial bergen. Das kann vor allem Schneider gut gebrauchen, sitzt ihm doch seit kurzem der aktivistische Neuinvestor Daniel Loeb mitsamt eines dicken Forderungskatalogs sehr im Nacken (s. PLATOW v. 28.7.).