Ryanair will die Gunst der Stunde nutzen

Die Air Berlin Pleite sorgt für mächtig Wirbel in der Luftfahrtbranche. Die Air Berlin Pleite sorgt für mächtig Wirbel in der Luftfahrtbranche.
© Air Berlin PLC & Co. Luftverkehrs KG
(07.09.2017)

In der Luftfahrtbrache rumpelt es weiter. Lufthansa wird beim geplanten Air Berlin-Deal öffentlich an den Pranger gestellt. Die italienische Alitalia kämpft aktuell mit dem gleichen Insolvenz-Schicksal und auch in Spanien kriselt es. Wie am Dienstag bekannt wurde, stimmte die Belegschaft von Iberia, die spanische Tochter der Airlinegruppe IAG, für einen Abbau von rd. 1 000 Stellen und damit gut 6,5% der Gesamtbelegschaft.

Zwischen den vielen Baustellen und Pleiten, die die Branche fest im Griff haben, gibt es einen Profiteur: Ryanair. Ausgerechnet der exzentrische CEO Micheal O‘Leary, der mit seinem Credo „schamlos, billig und komfortfrei“ den modernen Reisenerv trifft und gestandenen Premiumairlines das Fürchten lehrt, steht entspannt an der Seitenlinie und wittern seine Chance. An dem lt. O‘Leary abgekarteten Bietgefecht um Air Berlin will sich Ryanair nicht mehr beteiligen. Viel interessanter, vor allem weil die Chancen deutlich besser stehen, ist für Ryanair Alitalia. Hier müssen die Iren keinen so mächtigen Gegner ausstechen wie den Kranich. Zwar wird auch Lufthansa als Interessent gehandelt, aber Carsten Spohr wird sich vorrangig um Air Berlin kümmern.

Ryanair will sich nun 90 Flieger unterschiedlichen Typs samt Piloten sowie einige Langstreckenslots unter den Nagel reißen. Dies wäre ein völlig neuer Kurs des Billigfliegers, der bislang nur organisch gewachsen ist und dessen spartanisches Konzept auf uniforme Flotten eines einzigen Flugzeugtyps beruht. Damit bewahrt sich Ryanair die für Low Coster wichtige Flexibilität und hält zudem Kosten für die Ausbildung und Wartung gering. Auch hat Ryanair bislang kostenintensive Langstrecken tunlichst gemieden. Bislang ist Ryanair mit dem Billig-Konzept gut geflogen. Allein im August beförderten die Iren 12,7 Mio. Passagiere, 10% mehr als im Vorjahr. Bis Ende Oktober sammelt Alitalia verbindliche Angebote.