United Airlines – Jahresauftakt ohne Bruchlandung

Flugzeugtyp Boing 737 MAX 9 Flugzeugtyp Boing 737 MAX 9
© United Airlines
(19.04.2017)

Eine Binsenweisheit besagt, jede Presse ist gute Presse. Dass dies in Zeiten rasanter Verbreitungskraft und Vernetzung von Social Media längst nicht mehr zutrifft, erlebt zur Zeit die US-amerikanische Fluggesellschaft United Airlines.

So rückte die Q1-Präsentation in den Schatten des Vorfalls der Vorwoche, als ein Passagier gewaltsam aus einer überbuchten Maschine entfernt wurde, nachdem dieser seinen Platz für kurzfristig erschienene Crew-Mitglieder nicht räumen wollte. Dabei hätte United-Chef Oscar Munoz mit der Bilanz gut dastehen können. Der Umsatz stieg auf 8,4 Mrd. US-Dollar (+2,7%). Erwartet wurden 8,38 Mrd. Dollar. Zwar knickten sowohl EBIT (-60% auf 329 Mio. Dollar) als auch Nettogewinn (-69% auf 96 Mio. Dollar) deutlich ein. Doch immerhin schrieb United schwarze Zahlen im für die Branche meist verlustreichen Auftaktquartal. Kollege Lufthansa wird am 27.4. seine Q1-Zahlen vorlegen. Analysten rechnen mit einem Konzernergebnis von -102,6 Mio. Euro. Es sind vor allem die weichen Geldpolster, auf denen Airlines dank niedriger Kerosinpreise ihre Bilanzen des Vorjahres betten konnten, die nun wegfallen. Bei United stiegen die Treibstoffkosten um 28%.

United-Präsident Scott Kirby blieb optimistisch, erhöhte gar die Wachstumsaussichten des branchentypischen Passagierumsatzes je angebotener Meile auf 1 bis 3%. United profitiert von gestiegenen Ticketpreisen, ein Luxus den sich europäische Himmelsstürmer nicht leisten können. Doch Kirby dürfte sich weit aus dem Fenster gelehnt haben. Denn der sanfte Euphemismus des CEO, der in seiner Entschuldigung von einem „Umsetzen“ des besagten Passagiers sprach, befeuert die losgetretene Boykott-Bewegung von Kunden weltweit. Selbst ein Rücktritt Munoz wird gefordert. Dies, so der Manager auf Nachfrage, stehe nicht zur Debatte. Erst in Q2 werden die Spuren des Skandals bilanziell sichtbar. Als Gründungmitglied des Verbundes Star Alliance könnte der United-Skandal auch auf andere Mitglieder abfärben. Bangen dürfte vor allem der Kranich. Lufthansa betreibt gemeinsam mit den Amerikanern Transatlantikflüge.