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OTP Bank – Zu viel Russland- und Ukraine-Exposure

Der Angriff auf die Ukraine hat auch den Kurs der OTP Bank durchgeschüttelt: Von einem Niveau um 51,00 Euro vor Kriegsbeginn ging es bis auf ein Tief bei 24,50 Euro nach unten. Die Aktie (32,00 Euro; HU0000061726) hat sich also halbiert, womit auch unser Stopp aus PEM v. 16.12.21 bei 34,00 Euro klar unterschritten wurde.

Die Tatsache, dass die OTP Bank mit 42 Filialen auch in der Ukraine sehr aktiv ist, erklärt den Kursverfall. Wenig hilfreich ist zudem, dass Sándor Csányi, CEO von OTP, Wladimir Putin persönlich gut kennt und mehrfach mit dem russischen Machthaber öffentlich aufgetreten ist. So führten beide viele Jahre gemeinsam den Internationalen Judo-Verband. Putin war – bis zu seiner Amtsenthebung vor wenigen Tagen – der Präsident, Csányi sein Stellvertreter. Im Gegensatz zum russischen Machthaber ist der Banker aber auch heute noch Vizepräsident dieses Sportverbandes.

Hinzu kommt, dass die ukrainische Tochter innerhalb der OTP Bank seit vielen Jahren als Renditeperle galt. Immerhin sprach sich Csányi klar gegen den Krieg aus und hofft auf ein baldiges Ende der Auseinandersetzung. Er kündigte schon am Ende der Vorwoche an, dass die OTP Bank noch für lange Zeit in der Ukraine und auch in Russland geschäftlich aktiv bleiben wird. Denn auch Russland gilt als ein wichtiger Auslandsmarkt: Per Ende 2021 wies die Bank das Vermögen der russischen Niederlassung mit rd. 800 Mrd. ungarischen Forint (HUF; rd. 2,1 Mrd. Euro) aus, was knapp 3% der Bilanzsumme entspricht.

Zu Wochenbeginn kam es bei der Aktie zu einer Gegenbewegung, die den Wert in der Spitze wieder über 32,00 Euro führte. Neben der Erholung am Gesamtmarkt halfen dem Titel der größten ungarischen Bank gute Q4-Zahlen. Demnach stieg der Nachsteuergewinn um 69% auf 121,1 Mrd. HUF. Hauptgrund war eine reduzierte Risikovorsorge. Zudem zog der Nettozinsertrag um rd. 25% auf 247,5 Mrd. HUF an. Daraus ergab sich, dass das Bankhaus im Gj. 2021 das Nachsteuerergebnis um 76% auf 456,4 Mrd. HUF steigerte. Allerdings sind Prognosen für 2022 kaum möglich, da v. a. die Entwicklung in Russland und der Ukraine sowie deren Auswirkungen auf das restliche Osteuropa nicht planbar ist.

Daher ist ein Neueinstieg bei der OTP Bank aktuell zu riskant.

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