Transportwesen

DHL – Resilienz und Flexibilität in neuer Ära des Handels

Angesichts der neuesten US-Zölle werden die Zeiten für Logistiker immer komplexer, konstatiert CEO Tobias Meyer auf dem Kapitalmarkttag. Doch darauf scheinen die Bonner gut vorbereitet.

Dominik Görg,
DHL Fahr- und Flugzeuge
DHL Fahr- und Flugzeuge © AdobeStock

Zwar konnte Firmenlenker Tobias Meyer auf dem DHL-Kapitalmarkttag am Donnerstag (3.4.) nicht gegen den allgemeinen Markttrend anreden: Die DAX-Aktie (37,40 Euro; DE0005552004) gab im Zuge der am Vorabend verkündeten US-Zölle um bis zu 5% nach. Doch was die Bonner mit dem Paketdienst vorhaben, gefällt uns.

Im Kern strebt das Management profitables Wachstum oberhalb des BIP an, das im Einklang mit der im Herbst verkündeten Strategie 2030 steht. Sie sieht ein Umsatzwachstum von 50% zwischen 2023 bis 2030 vor (CAGR: 5,9%), bei stärkerer Ausweitung des EBITs.

Mit Blick auf die US-Zölle bestätigte Meyer seine Aussagen vom März: Zum einen sei der Marktanteil in den USA geringer als im Rest der Welt. Zum anderen dürften die Zölle wohl ähnliche Auswirkungen wie der Brexit mit sich bringen. Damals sank zwar die Anzahl der Sendungen, dafür stieg jedoch die Wertschöpfung dank Dienstleistungen innerhalb der Zollabwicklung. Meyer geht insgesamt von einer Verschiebung des Welthandels aus: Sollten die USA weniger handeln, so werden andere Länder dies substituieren. Aus den GT20-Staaten wie China komme insgesamt geographischer Rückenwind.

Zur Umsetzung der Wachstumsstrategie setzt DHL auf fünf Säulen: 1. Life Science & Healthcare (LSH), 2. New Energy, 3. geographischen Rückenwind, 4. E-Commerce und 5. Digitalisierung. Spannend ist vor allem die LSH-Entwicklung (Umsatzanteil 2024: 6%). Hier errichtet DHL global Pharma-Hubs in der Nähe von Flughäfen und setzt damit auf end-to-end-Lösungen. Mit dem am Montag verkündeten Zukauf von CRYOPDP sichert sich DHL Supply Chain für einen dreistelligen Millionen-Euro-Betrag wichtiges Knowhow im Bereich der Spezialpharmalogistik. Gleichzeitig bleibt Pharma von den Trump-Zöllen vorerst ausgenommen.

Ebenfalls spannend: Unter der Marke DHL New Energy Logistics bietet DHL Offshore-, Wind- und Solar-Logistiklösungen an und positioniert sich so in einem klaren Zukunftsmarkt. Hier liegt das Umsatzwachstum bei über 30%. Kein Wunder, dass laut Meyer DHL inzwischen mehr von seinen Peers Fedex und UPS unterscheide, als sie verbinde. Und dennoch: Im alle verbindenden Express-Geschäft hat DHL weiter die Nase vorne. So stieg der globale Marktanteil bei zeitdefinierten Expresslieferungen (TDI) in den letzten zehn Jahren von 36 auf 47% an. Zum Vergleich: Der Anteil von Fedex sank von 32 auf 27%, UPS stagniert bei 22%. Obwohl DHL zuletzt mit sinkenden Volumen im Express-Geschäft (Umsatzanteil: 30%) kämpfte, bleibt es mit einer EBIT-Marge von 12,3% der profitabelste Geschäftsbereich (Ziel: rund 15%).

Darüber hinaus will das Management über E-Commerce und Digitalisierung divisionsübergreifend die Profitabilität erhöhen. So soll z.B. die Übernahme von Monta die Fähigkeit schaffen, auch kleine Online-Unternehmen zu bedienen. Uns gefällt, dass DHL mit den Schritten die Resilienz des eigenen Portfolios steigert und gewisserweise konjunkturunabhängiger macht. Die Aktie ist inzwischen mit dem 12-Fachen der für 2025 zu erwartenden Gewinne bewertet, was historisch (10J: 14) attraktiv ist. Günstiger war DHL nur vor drei Jahren mit einem KGV von 9.

DHL bleibt ein Kauf. Stopp: 31,10 Euro.

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