M&A-Beratungen

Lincoln International – „Wir trennen uns gelegentlich von Underperformern“

Wer sich mit dem deutschen M&A-Markt beschäftigt, kommt im MidCap-Segment an Lincoln International nicht vorbei. Seit Jahren dominiert das Haus mit Wurzeln in den USA, aber auch Deutschland (Peters Associates), die hiesigen Rankings der relevantesten bzw. aktivsten Berater.

Michael Drill, CEO für Deutschland bei Lincoln International
Michael Drill, CEO für Deutschland bei Lincoln International © Lincoln International

Lincoln lege einen starken Fokus auf Verkaufsmandate, sagt uns Deutschland-Chef Michael Drill. „Unser Sweet-Spot bei der Transaktionsgröße liegt im dreistelligen Millionenbereich; je nach Situation übernehmen wir aber auch Mandate mit kleineren Unternehmenswerten.“ Allgemein beraten er und sein Team Großkonzerne, Finanzinvestoren und Unternehmer.

Lincoln International sei in den letzten Jahren in Deutschland stark gewachsen – die Belegschaft jährlich um etwa 10%. Im Schnitt komme das Team auf mindestens 25 Beratungsmandate im Jahr, sagt Drill. Die Kunden-Coverage nach Sektorgruppen innerhalb Europas sei stark ausgebaut worden, was viele strategische Vorteile bringe.

„Unsere 70 Banker arbeiten primär im Bereich M&A, mit einem wachsenden Capital Advisory-Team; im Back-Office beschäftigen wir mehr als 15 Mitarbeiter“, erläutert Drill. Neben dem Hauptbüro in Frankfurt gibt es seit 2016 die Möglichkeit, von München aus zu arbeiten. Für ein so aktives Beratungshaus in einem kompetitiven Umfeld tätig zu sein, bedeutet vor allem eins: Leistungskultur. „Wir müssen uns gelegentlich von Underperformern trennen“, gesteht Drill. Eine hohe Arbeitsmoral und Einsatzbereitschaft verstehen sich da von selbst, dem müssen sich Einsteiger bewusst sein. Dafür winken eine entsprechende Vergütung sowie eine hohe Lernkurve und gute Aussichten auf spätere Top-Jobs („Exit-Möglichkeiten“).

Mid-Market-Häuser wie Lincoln werden deshalb in der Szene aber auch als „Sweatshops“ betitelt und geraten ebenso wie große Investmentbanken (Bank of America, etc.) regelmäßig in die Kritik, ihre Schützlinge bis zur Erschöpfung oder schlimmer zu treiben. „Die Arbeitszeiten bei uns sind mit denen der Konkurrenz sehr vergleichbar“, erwidert Drill. Attraktiv sei bei seinem Haus, dass Analysten und Associates aufgrund des guten Dealflows zum überwiegenden Teil an konkreten Live-Mandaten und weniger nur an reinen Pitch- bzw. Marketing-Präsentationen arbeiteten. „Das hebt uns deutlich von den meisten Wettbewerbern ab“, so der CEO.

Im Jahr 2023 und in der laufenden Periode habe sich das Geschäft trotz der jüngsten Marktflaute gut entwickelt. Von daher habe es in den vergangenen 20 Monaten mehr Einstellungen als Abgänge gegeben. „Wir haben in der Vergangenheit Downturns immer wieder antizyklisch genutzt, um für den nächsten Aufschwung mit genügend Ressourcen gut ausgestattet zu sein“, bekräftigt Drill. ck

Bisher in der Serie erschienen:

Teil 1: Saxenhammer – Das Geschäft wird internationaler
Teil 2: Carlsquare – Mehr Firepower in Frankfurt, Berlin und München
Teil 3: Harris Williams – „84% unserer MDs kommen aus den eigenen Reihen“
Teil 4: Zumera – „Wir zahlen auf Junior-Ebene so viel wie die Top-Banken“
Teil 5: Houlihan Lokey – „Junge M&A-Banker sind heute fordernder“

Abonnieren Anmelden
Zur PLATOW Börse